WILDBIENEN

Eine Liebeserklärung an die „Wilden Schwestern“

Zugegeben hört sich der Titel schon recht spektakulär an. Ist er auch in gewisser Hinsicht, denn genau genommen geht es um die Wildbienen, die Wilden Schwestern der Honigbienen. Und es ist schon bemerkenswert wie viel das Insektensterben in der Rede ist und es wird doch so wenig getan oder aus guter Ambition trotzdem das Falsche. Auch wird immer wieder die Honigbiene mit in den Topf geworfen, was zwar auch zutrifft aber so lange es Imker gibt wird es sicherlich auch die Honigbiene geben. Die Wilden Schwestern der Honigbiene allerdings, haben keine Lobby und ich sehe uns als Imkerschaft nicht nur in der Vorbildfunktion sondern auch in der Verantwortung gleichermaßen etwas für den Artenerhalt der Wildbienen zu tun. Etwas über den Tellerrand zu schauen, nicht die Augen zu verschließen und alles außer der Honigbiene hinten runterfallen zu lassen, sondern hier eine Schlüsselrolle einzunehmen und für alle Bienen Position zu beziehen.

Unsere Umwelt hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert. Viele Gifte die in die Umwelt gelangen landen irgendwann auch auf unserem Teller. Am ehesten merkt man, dass da was ist, durch die stark rückläufige Insektenpopulation. Früher musste man noch die Autoscheibe regelmäßig von Insekten reinigen, heute ist es eher die Ausnahme dass da mal was kleben bleibt. Insbesondere unsere Agrar- und Forstkultur hat sich sehr gewandelt. Viele Monokulturen, ausgelegt auf höchsten Ertrag weil es auch oft gar nicht mehr anders geht, damit noch bisschen was hängen bleibt, oft wird dazu gebeiztes Saatgut verwendet und es bleiben kaum Beikräuter, welche so wichtig für unsere Insekten sind. Dadurch entsteht wortwörtlich die grüne Hölle. Insbesondere für die Wildbienen, welche nur einen sehr geringen Flugradius haben, ist das fatal. Nicht nur in der Futterversorgung sondern auch in der Populationssicherung. Der Mensch schafft sich immer mehr Platz für Ertragsflächen und die Natur muss immer mehr weichen. Aber selbst im ganz Kleinen findet sich die elegante Steinwüste, die vermeintlich weniger Arbeit machen soll. Als Resümee bleibt aber letztlich ein höheres Zeitinvest als mit einem schönen, entspannenden Naturgarten der allen Lebewesen ihren Platz eingesteht. Dass solches Verhalten insgesamt ein Ökosystem nicht nur belasten, sondern auch zu zerstören vermag, ist wohl jedem klar.

Wir sind auf unsere Wildbienen, von denen es weit über 500 Arten in Deutschland gibt angewiesen. Denn diese sind ein wichtiger Teil unseres Ökosystems und füllen die Lücke in der Bestäubung sowie im Nahrungskreislauf. Außerdem tragen Sie zur Pflanzengewinnung und Saatgutproduktion bei. Ihre Bestäubungseffizienz liegt deutlich über der Honigbiene, weshalb Sie sich immer größerer Beliebtheit  in der Agrarwirtschaft erfreut. Gerade die spezialisierten Arten können sehr gefragt sein.
Die Honigbiene mag zwar rechnerisch die höchste Bestäubungsleistung bringen allerdings sucht sich die Honigbiene explizit die ergiebigsten Trachtquellen und fliegt diese bis zur Versiegung an, wohingegen die Wildbienen selbst die kleinsten Trachtquellen anfliegen und so die Bestäubungslücke füllen. Außerdem können die vielen unterschiedlichen Arten mit Ihren diversen Spezialisierungen in der Landschaftsplanung und Anpassung ein wichtiger Zeigerorganismus sein. Summa summarum sind die Wildbienen für uns unverzichtbar und besonders schützenswert.

So manch einer wird jetzt vielleicht sagen „Also ich, ich tu was, denn ich hab ein Insektenhotel. „ Das ist schon mal ein guter Anfang, wenn dieses denn auch tatsächlich auf Insektenbesuch zugeschnitten und ausgelegt ist und nicht einfach nur schick aussieht und das war. Aber zu Insekten gehören auch die entsprechenden Pflanzen und ein Umdenken. So wäre z. B. der Aspekt zu nennen, dass der Großteil der Wildbienen Bodennister sind und somit nur eine Fläche die nicht jährlich aufgerissen dienlich ist. Das sollte man immer mit beachten. Und auch die meisten sogenannten Unkräuter sind wahre Insektenmagneten und besitzen oft Mehrwert, wie etwa heilende Eigenschaften oder sind Vitamin- und Mineralstoffbomben. Also nicht immer alles rausreißen, denn für unsere Insekten, besonders die spezialisierten, kann das überlebensnotwendig sein.
Vor allem unsere Wildbienen sind auf heimische Pflanzen wie etwa Stauden oder Kräuter spezialisiert. Manche haben sich sogar auf einzelne Arten in ihrer Lebensweise wie etwa Flugzeiten, Brutzeiten, Körperbau usw. komplett angepasst. Eine Kulturmischung mit fremden, nicht heimischen Pflanzen sieht sehr schön aus aber bringt unseren Insekten allerdings nicht so viel wie man eigentlich annehmen möchte. Auf Dauer ist dies außerdem noch sehr fordernd für Geldbeutel und Freizeit. Also Augen auf beim Saatgutkauf 😉

Die gute Nachricht aber ist, für die Wilden Schwestern kann jeder etwas wirklich Gutes und oft auch kostengünstiges tun!
• Vernünftige insektengerechte Insektenhotels
• Heimische, wilde (undomestizierte) Pflanzen mit ungefüllten Blüten in den Garten oder auf den Balkon setzen.  Und ja auch wir haben wunderschöne Pflanzen für jedes Habitat und jeden Anspruch.
• Auch mal die sogenannten Unkräuter stehen lassen, da diese meist wichtige Nahrungsquellen für unsere Insekten sind. Tipp: Beim Mähen Inseln mit wilden Blumen stehen lassen. Sieht schön aus und hilft.
• Gerne kann man auch mal Gemüse blühen lassen, da fliegen viele Insekten drauf und wenn samenfestes Gemüse angebaut wird, hat man gleich schon Samen für die nächste Saison.
• Keine Chemikalien und Gifte ausbringen, denn wenn wir die Natur lassen und ihr auch einen Anteil zugestehen, bringt sie mit Nützlingen in der Regel alles wieder ins Lot. Und wer ungeduldig ist, es gibt auch umweltfreundliche, ungiftige Alternativen aus Oma´s Trickkiste.

Mir persönlich sind die „Wilden Schwestern“ eine absolute Herzensangelegenheit und ich hoffe dass ich mit meiner Begeisterung andere anstecken kann, sodass nicht nur für die Honigbiene sondern vor allem auch für Ihre Wilden Schwestern etwas ins Rollen kommt.